PROGRAMMad lib (5‘)Komposition für tingsha und einen stillen Raum (UA)Bernhard GálNorthern Widespread Lowlands (7’)Elektroakustische KompositionBelma Bešlić-Gálearlift (16‘)Elektroakustische Komposition Bernhard GálVoid (15‘)Elektroakustische Komposition (UA)Bernhard GálPlains of Triton (18’) Für Kammerensemble und Klangprojektion (UA)Belma Bešlić-GálMit: Belma Bešlić-Gál (Klangregie), Bernhard Gál (Klangregie, Tingsha), Gisela Mashayekhi-Beer (Altflöte), Michael Moser (Violoncello), Berndt Thurner (Schlagwerk) und Fani Vovoni (Violine). Sonntag, 5. Juni 2011, 20.00Neue Musik in St. Ruprecht, Ruprechtskirche, WienWERKBESCHREIBUNGENV O I D stellt nach Vortex (2009) das zweite gemeinschaftliche Musikprojekt der slowenisch-bosnischenKomponistin Belma Bešlić-Gál und des Wiener Komponisten und Klangkünstlers Bernhard Gál dar. Diesmalstehen reduzierte akustische Räume und ihr Potential für unterschiedliche kompositorische Annäherungen imFokus. Musikalische Werke werden für neue Raumsituationen entwickelt und an bestehende angepasst,spezifische Wahrnehmungssituationen und ihre psychoakustischen Implikationen in konzentriertenHörarchitekturen ausgelotet. Die Bandbreite der in den einzelnen Kompositionen verwendeten Klänge undInstrumente reicht von tibetanischen Zimbeln über Nebelmaschinen, Weltraumklänge, Stimmaufnahmen bishin zu mehr oder weniger bekannten Instrumentalklängen und Phonographien des Alltags. In dreiUraufführungen werden Bezüge zu V o i d als konzeptuell-metaphysischem Konstrukt und physikalischerRealität des uns umgebenden (Welt-)Raums hergestellt.Komposition für Tingsha und einen stillen Raum (2011, UA)Wann hat man schon Gelegenheit, einem bestimmten Klangüber einen längeren Zeitraum konzentriert zu zu hören, und insbesondere, wie sich dieser Klang dem Raum anverwandelt,ja denselben für eine bestimmte Zeitspanne definiert, um sichschließlich in der Stille aufzulösen? Gerade in musikalischenPräsentationen besteht diese Möglichkeit oftmals nicht - allzu viele Klangereignisse überlappen einander undbeanspruchen die Aufmerksamkeit jeweils für sich. ad lib istaus einem Impuls entstanden, eben ein solches Hören zuermöglichen.Belma Bešlić-Gál - Northern Widespread LowlandsElektroakustische Komposition, 2008(Basierend auf Klangaufnahmen der Orgel der St. Andrä-Kirche inGraz)Was bleibt wohl von dem "Hydrauli", von diesem kolossalen"Herrschaftssymbol Christi", dem "Dudelsack des Teufels" übrig,wenn man seine fragilste Komponente (die Luft) "befreit"? - dieEssenz selbst. Ohne des kaum Wahrnehmbaren, ist der Kolossstill. Northern Widespread Lowlands ist eine Suche nach immerPräsentem, doch Unbekanntem; eine Sezession; ein Versuchder Darstellung des vom Koloss Befreiten, der auch eine vergleichende Darstellung nebeneinander/miteinander nichtscheut. Die beängstigende Zerbrechlichkeit des gefundenenKlanges ist zugleich ein Statement: “The more we know, theless we fear."UA: Kunsthaus Graz, Juni 2008Elektroakustische Komposition / Quadrophone Klangprojektion, 2011Ausgangspunkt und exklusives Klangmaterial dieseskünstlerischen Beitrages von Bernhard Gál sind dievorgefundenen Klänge eines Liftvorraumes: Das Surren der Notausgangsbeleuchtung, das Brummen derFahrstuhlelektronik, das Öffnen und Schließen der Türen, dienachfedernden Vibrationen des Metallkastens, ... „to lift“bedeutet „etwas heben“. Brumm- und Surrtöne schrauben sich– ganz in Analogie zu Maurits Cornelis Eschers visuellenEndlosschleifen - in kontinuierlich an- oder absteigenden Frequenzspiralen in die Höhe oder Tiefe, jedoch ohne jemalsdie Hörgrenze zu erreichen. Das zugrundeliegende und hierklangkünstlerisch verarbeitete psychoakustische Phänomen ist unter dem Namen „Shepard Scale“ bekannt, nach demKognitionswissenschaftler Roger Shepard, der diese Illusioneiner unendlich ansteigenden Tonleiter 1964 erstmalsbeschrieb.UA: KunstQuartier Salzburg, Mai 2011 (Klanginstallation)Elektroakustische Komposition (2011, UA)Void ist einerseits ganz wörtlich zu verstehen, handelt es sichdoch bei der Mehrzahl des verwendeten Klangmaterials umAudioaufnahmen, die in jener unendlichen Leere gesammeltwurden, die wir das ALL nennen. Diese und weitere Klängewurden auf der Basis phsysikalischer MessdatenRotationsgeschwindgkeiten, Umdrehungsperioden,Masseverhältnisse) „vorbereitet“ – ähnlich der Himmelskörperdes Sonnensystems erscheinen sie dann und wann, um dannwieder dem Raum Raum zu lassen.Belma Bešlić-Gál - Plains of Triton Für Kammerensemble, verstärkte Nebelmaschinen, Klang - und Lichtprojektion (2011, UA)Die Komposition Plains of Triton stellt eine Fortsetzung meinerBeschäftigung mit der Vielfalt astronomischer Phänomenesowie den klangpsychologisch-manipulativen Konzepten derZeit- und Raumwahrnehmung im Rahmen konzertantermusiktheatralischer Aufführungen dar. In diesem Fall handeltes sich um die Kryovulkanischen Ebenen des NeptunschenMondes TRITON. Eine Eigenart dieses Mondes sind dieEisgeysire, welche eine Höhe von bis zu 8000 m erreichenkönnen. Die Namen der Tritonschen Ebenen sindmythologischen Ursprungs: RUACH (Insel der Winde), RYUGU(Unterwasser-Palast des Drachengottes des Meeres), SIPAPU(Portal zur Unterwelt des Pueblo - Volkes), TUONELA (dasTotenreich in der finnischen Mythologie).Mit Plains of Triton beabsichtige ich eine Klangstrukturentstehen zu lassen, in welcher alle Komponenten in einorganisches, nicht zu unterbrechendes Fließen münden und somit eine beinahe nihilistische, bewegungslose Statikinsinuieren. Die spezifischen räumlichen und klanglichenEigenschaften des Aufführungsortes möchte ich für die Entstehung der parallelen Klangwelten und unkontrollierbarenKlangebenen nutzen, welche sich immer wieder anders dermusikalischen Grundfläche entziehen. Die Kompositionstechnikermöglicht somit ein architektonisch bedingtesAufeinanderprallen der Obertöne im Raum, einunvorhersehbares Entstehen und Erklingen virtueller, nicht zunotierender akustischer Verbindungen. Mit Nebelmaschinen,die in einer Vierkanal-Klangprojektion im Raum verteilterklingen, möchte ich die Welt der Eisgeysire darstellen undsomit programmmusikalisch vorgehen; die Lichtprojektioninsinuiert den Neptunschen Schatten, der sich im ewigen Eisdes Tritons widerspiegelt und den Nebel aus Eiskristallendurchleuchtet. Mit Plains of Triton nehme ich den Zuhörer aufeine virtuelle Klangreise zu dieser atemberaubenden Welt mit.Belma Bešlić-Gál: Klang- und Lichtregie, NebelmaschinenMichael Moser:VioloncelloBerndt Thurner: Schlagwerk (Windspiel, Crotales, Regenstab, Woodblock, Glockenspiel, Tamtam, Vibraphon, Grosse Trommel)Gisela Mashayekhi-Beer: AltflöteFani Vovoni: ViolineUraufführung mit Unterstützung durch den SKE-Fonds der Austromechana. Foto: courtesy of NASA NEWSDATES BIOGRAPHY COMPOSITION PROJECTSAUDIO/VIDEO GALLERY CONTACT